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Truhe (Gelesen: 96806 mal)
Werner
Knappe
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Truhe
15.07.04 um 21:58:28
 
Hi zusammen!

Wie man schon erkennt, will ich mir eine Truhe Bauen.
Erstmal ein Lob an Tankret, die Truhen von dir in der Bildergallerie sind wirklich 1a.  Smiley

Meine Frage dazu, welches Holz hast du zum bauen genommen und womit, hast du das Holz bestrichen?

Ich habe gelesen, dass man oft Leinöl genommen hat, aber dadurch bekommt es ja leider nicht, eine so schöne dunkle Farbe.

Und meine beiden letzten Fragen, hast du Eisennägel oder Holznägel verwendet?
Und zu guter Letzt - Sind die Eisenscharniere für die Zeit 1100- 1200 Jah. belegbar? - Wenn nicht, was haben die alternativ genommen? - hörte mal von Schanieren aus Horn und Lederbändern - stimmt das?

Dank im Voraus

Volpe
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Der im Strîtgewand tanzt
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Tankret de Donjon-Blanc
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Dorsten-Wulfen
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Re: Truhe
Antwort #1 - 16.07.04 um 10:34:43
 
Beim Holz habe ich mich an dem gehalten, was heute überall zu bekommen ist: Nadelholz. Nur einige unserer Truhen (er gibt noch fünf weitere in unserer Gruppe) sind aus Buche, hierbei muss aber erwähnt werden das dieses Holz aus der Entrümpelung meiner Ausbildungsschule stammt. Hier haben kristin und ich aus den Holzplatten der Tische einer Schulkasse, die sonst auf dem Müll gelandet wären, 4 Truhen und ein Wandregal über die Osterferien gebaut.

Mir bekannte, noch vorhandene Möbel aus dem Mittelalter sind aus Eiche oder Buche. Wohl nicht zuletzt deswegen, weil diese Hölzer einfach stabiler sind und daher die Jahrunderte besser überstanden haben.

Nachteilhafter Weise sind sie heute aber auch viel teurer und dazu auch seltener zu bekommen, insbesondere in  Bohlenform. Nachteilhaft ist aus heutiger sicht ist auch das Gewicht. Diese Hölzer sind nahezu doppelt so schwer aufgrund der Einlagerung von Salzen im Hartholz. Das hat natürlich Konsequenzen für die maximale Zuladung zum Wagen. Für den häufigen Transport sind daher Nadelhölzer heute besser. Eiche ist dagegen eindeutig belegbar.
 
Es gibt keine mir bekannten Belege für Leder oder Hornschnaniere, wohl aber für Holz- und Metallschaniere.
Holzschaniere habe ich noch nicht eingesetzt, dafür waren die informationen zu dürftig. Metallbeschläge sind überhaupt an erhalten gebliebenen Möbeln wie Kisten und unbeschnitzen Truhen sehr häufig, sind sie doch ein Zeichen von Reichtum. Metallbeschläge gibt es überrings auch schon zur Wikingerzeit: Vergleiche hier die Osebergfunde. Die Metallbeschläge von mir stammen überrings ausnahmslos aus dem Baumarkt. Sie durch Schmiede anfertigen zu lassen war mir als Student einfach zu teuer. Die Schaniere wurden durch Bearbeitung mit einer Flex auf geschmiedert gertrimmt.        
Die dunkle Farbe habe ich durch Holzbeize (Nussbaum dunkel) erreicht. Dadurch sehen sie schön alt aus. ob die Möbel früher auch schon so dunkel waren ist allerdings die Frage. Ziemlich sicher ist jedoch, das insbesondere beschnitzte Möbel auch Knallbund bemalt wurden. Damals konnte man ja nur aus Holz bauen, Farben sind daher Luxus. dafür habe ich aber noch keine orginalbelege gefunden (bisher nur sekundärquellen), während die orginal erhaltenen Truhen alle schön dunkel sind. Damit die Truhen auch eine Überschwemmung des Zelts oder einen Platzregen (Freienfelserfahrungen!)unbeschadet überstehen, sind sie abschließend mit Klarlack gestrichen worden.      

       
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mit ritterlichem Gruß Tankret de Donjon-Blanc
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Werner
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Re: Truhe
Antwort #2 - 16.07.04 um 13:06:59
 
Vielen Dank!

Dann bleibt einem ja kaum was anderes über als Nadelholz zu nehmen, wenn man sich die mühsame Suche nach anderen Hölzern ersparen will. Griesgrämig

Ps. schau mal hier Tankret, die haben sehr schöne Beschläge und alles andere schlösser etc. was man brauch. Zum Teil sind auch Preiswertere sachen dabei, wie zb. Kistenbänder für 6 Euro.
http://www.frehe-shop.de/content.jsp?gid=10200+++++9010205+++++90
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Der im Strîtgewand tanzt
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ingo
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sein Zorn zerschlägt die
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Havelland
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Re: Truhe
Antwort #3 - 18.01.06 um 11:21:08
 
Als bescheidenen Beitrag und Beispiel für eine Frontstollentruhe mit Rundzapfenscharnier aus Holz (nach Funden aus dem 12. Jahrhundert) für die Aufbewahrung von Kleidung, Waffen und Ausrüstungsgegenständen die ich vor einem Jahr gefertigt habe nachfolgend ein Bild von meiner hp.
Zu Beachtung: Die Truhe ist komplett aus Holz, keinerlei Metallscharniere oder Beschläge, keine Nägel oder Schrauben.

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Gruß, Ingo
 
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Sascha
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Re: Truhe
Antwort #4 - 18.01.06 um 12:20:34
 
Klasse Ding, besonders mit den Fächern...
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Hugh Saber de Louviers
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Immer Fair bleiben.......

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Re: Truhe
Antwort #5 - 18.01.06 um 13:01:03
 
Sieht echt stark aus.Wie lange hast du dafür gebraucht?
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Egal wieviel Hunger du hast , meine Torten machen jeden satt !!
 
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Werner
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Re: Truhe
Antwort #6 - 18.01.06 um 13:06:14
 
N1 Smiley

Und was ist das für Holz?

Gewachstes Nadelholz?


Gruß
Volpe
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Der im Strîtgewand tanzt
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ingo
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sein Zorn zerschlägt die
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Re: Truhe
Antwort #7 - 18.01.06 um 14:17:32
 
Die Truhe ist (bis auf das runde Scharnierholz, dies ist aus Buche) aus Nadelholz und die Fächer (Schübe) gleiten auf jeweils einer schmalen Leiste an der vorderen und hinteren Innenseite, das Holz ist mit Leinöl behandelt und danach gewachst.
Gesamte Bauzeit (abzüglich der Wartezeit für das Trocknen des Leims und des Öls) so ca. 6 Stunden.
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Gruß, Ingo
 
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Hilarus
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Re: Truhe
Antwort #8 - 18.01.06 um 15:59:48
 
Wow! Sieht klasse aus!!!

Und auch Deine Homepage gefällt mir sehr gut!
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carpe diem!
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ingo
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sein Zorn zerschlägt die
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Re: Truhe
Antwort #9 - 19.01.06 um 07:38:21
 
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Gruß, Ingo
 
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Catherine
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Erare maskulinum est.

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Re: Truhe
Antwort #10 - 16.06.10 um 14:56:38
 
Ich habe vor, eine Frontstollentruhe zu bauen. Ebenfalls nach Tankreds Vorbild hier auf der HP. Nun dachte ich mir: Eiche wäre doch toll.
Na hallo. Da fahr ich in einen Holzfachhandel (!!) und frägte da mal nach. Die Frau, die in dem Laminat saß, blickte abwertend an mir hinauf (Mag an meiner Kleidung gelegen haben. An ihr hätte mein Outfit irgendwie wie Quetschwurst ausgesehen) und verwies mich auf das Lager hinten. Ich also dahingetippelt. Der Mann, der mich empfing, verließ sein Büro nur allzu gern und erklärte mir die Problematik.

Eiche als Bohle zu bekommen ist nicht das Problem. Die Dinger sind 3 m lang, 20 cm breit und 10 cm stark. Und gut abgelagert muss es sein, mindestens zwei Jahre. Besser wäre da eine Baumscheibe. Die Bohle allein, unbearbeitet, liegt schon bei 70 Euronen. Als er mir den Preis für die Scheibe nannte, bin ich fast aus meinen Sneakern gekippt: 250 Euro. Ohne Arbeitsaufwand und Stundenlohn. Na Prost Mahlzeit.
Er hatte aber scheinbar Spaß, mich durch die gesamte Außenanlage zu führen und mich auch noch seinem Chef zu zeigen.

Fazit: Ich werde einen gebrauchten Eichenschrank suchen und den dann umarbeiten. Oder ich nutze die Vorgehensweise der Anleitung aus dem www, wo beschrieben ist, wie man einzelne Bretter miteinander vernutet und verleimt. Aber Leimholz ausm Baumarkt kommt mir nicht mehr an die Truhe  Augenrollen.

Es sei denn, jemand hat noch ne alte Eiche im Garten, die weg soll...  unentschlossen
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Doofe Leute sollten Schilder tragen, auf denen steht "Ich bin doof"!
 
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Æthelweard
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Re: Truhe
Antwort #11 - 16.06.10 um 19:15:09
 
An eine Truhe wollte ich mich auch mal heran mach. Also Danke, für den Erfahrungsbericht.

*grummelgrummelwarumhabeichnursoeinteureshobbygrummelgrummel*
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"Wenn man nur noch über das urteilen darf, wo man selbst gelebt hat...also...für Historiker wird's eng." Dieter Nuhr
 
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Werner
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Re: Truhe
Antwort #12 - 16.06.10 um 20:07:15
 
Ruhig Blut, nicht immer sofort die Lanze in den Weizen werfen!

Also ich bin mom schon seit 2 Jahren in der Planungsphase für eine optische 1zu1 Rekonstruktion einer hochmittelalterlichen Truhe.
Vorweg empfehle ich euch das Buch "Die Gotischen Truhen der Lüneburger Heidklöster" - könnt ihr auch gerne bei mir einsehen - habe es da und werde es mal mit nach Syburg bringen.
Darin sind 2-3 Truhen des HMA´s drinn und werden ausführlichst behandelt - u.a. Explosionszeichnungen.
Für das HMA haben wir in dem Buch ein Glücksgriff, was die Truhentechnik angeht. Normalerweise sind alle Truhen, weit bis in die FNZ aus Spaltbohlen hergestellt, was einige von uns vor eine neues Problem stellt - man erkennt das nähmlich, ob das gesägtes Holz oder gespaltenes ist.
ABER! in dem Buch ist eine Truhe die auf etwa 1170 datiert ist und aus gesägten!!! Brettern gebaut wurde  Cool
Man muss sich nur mal vorstellen, was die Herstellung einer Säge gekostet hat.....in der Größe die man für einen Eichenstamm brauch.... Schockiert/Erstaunt
Also - die Truhe sieht erstmal recht schlicht aus, ist aber aufgrund der Herstellungstechnik extrem dekadent gewesen.
Ein weiterer schöner Aspekt ist, das in dem Buch auch aus dem frühen 13. Jah. eine Truhe aus Nadelholz abgehandelt wird.

Also zum Material:
Ich habe bei diversen Holzgroßhändlern Angebote für das Holz einer Truhe in etwa 80x45x40x2,5 cm eingeholt. Man muss sagen, das Eichenholz immer in Kubik berechnet wird, als der gute Mann mir dann etwa 1700 Euro sagte, musste ich schlucken   -  aber!....soviel brauch man ja nicht, durch eine Kubikrechnungs bin ich dank Saschas hilfe (nochmal danke!) auf etwa 160 Euro Holz gekommen....ein Kubik wäre ja etwas viel Zwinkernd
Die meisten Händler haben auch Bohlen (Kammertrocken und Schreinerqualität - 8% Restfeuchte) in 3 cm Stärke - also da muss man nicht viel abhobeln.
Die Preise können aber arg schwanken, fragt man die gewünschte Kubikmenge bei einem Sägewerk an, so kann sich dr Preis von 1700 Euro mal um die Hälfte halbieren - auch innerhalb diverser Bundesländer kann der Holzpreis extrem Schwanken, im Norden kostet der Kubik im Schnitt 800 Euro....
Also kurzum - eine Truhe dürfte für 200 Euro realisierbar sein. Man muss nur beachten, das man locker 20% bis 30% mehr Holz kaufen muss als man berechnet hat - Verschnitt!

Ich persönlich finde, das 200 Euro für eine 80 cm Truhe die auf stattliche 40 Kg kommen wird auch für angebracht - die hat man immer.
Ich hab auch Tipps zu Nadelhölzern, Qualitäten etc. - nur das sprengt hier den Rahmen - also sprecht mich ruhig beim nächsten sehen nochmal drauf an Zwinkernd
Denn einfach jetzt für 200 Euro Holz kaufen - ne Truhe bauen...vergesst es, die könnt ihr wegwerfen.....ich hab da vieeeel mit Schreiner geredet. .....das Holz weiter lagern, Raumtemeperaturen, hist. richtige Vernutungen etc. - hab alles was man wissen muss hier.....also, ich denke wir reden da mal beim Bierchen drüber Zwinkernd   Wär echt schade, wenn man so teures Holz auf deutsch verspaxt und ver-bleckunddeckert ....da muss man anders rangehn, damit man lange freude drann hat.

Hoffe wieder etwas Interesse an der Eichentruhe geweckt zu haben - die die sind immer schön Smiley

LG
Werner
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Jeanne de Beaumont
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Re: Truhe
Antwort #13 - 17.06.10 um 00:07:04
 
Sehr schön. Ist ja gut wännä.
Aber mal ehrlich: nicht jeder von uns möchte eine Truhe schlörren, die an eigengewicht schon 40kg auf die Waage bringt!  Zunge Da stolpert man nach dem Verladen erstmal über die eigene Zunge...
Es muß doch auch etwas praktikablere Lösungen geben!?
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Drei Dinge sind unwiederbringlich: der vom Bogen abgeschossene Pfeil, das in Eile gesprochene Wort, die verpasste Gelegenheit
 
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Catherine
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Erare maskulinum est.

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Herten
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Re: Truhe
Antwort #14 - 17.06.10 um 07:33:01
 
Werner schrieb am 16.06.10 um 20:07:15:
 Wär echt schade, wenn man so teures Holz auf deutsch verspaxt und ver-bleckunddeckert ....da muss man anders rangehn, damit man lange freude drann hat.


Sehr blumig formuliert, du bist Schuld an meinem ersten, allmorgendlichen Grinsen  Zwinkernd.

40 kg sind natürlich kein Pappenstil, aber für Eiche durchaus rechenbar. Ich will weg von Kiefer, Fichte und co. Und vor allem vom Leimholz aus dem Baumarkt *würg*.
Außerdem hab ich einen Ritter, der das Ding tragen kann  Laut lachend. Irgendwo muss ich mein Un-A Zeugs ja verstauen... Und was zum Sitzen wär auch nicht schlecht... Und was zum Spielen...  Zunge

Ich poste hier mal den Link, den ich fand, den bestimmt auch schon andere vor mir gefunden haben, aber nur der Vollständigkeit halber:
http://www.julfgard.de/pub/bauanleitung-frontstollentruhe.pdf

Ungefähr so dachte ich mir das auch. Bei dem Scharnier bin ich mir noch nicht schlüssig. Und der Deckel soll natürlich nicht gerundet, sondern gerade sein.
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