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Herstellung Birkenpech (Gelesen: 6301 mal)
ingo
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sein Zorn zerschlägt die
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Herstellung Birkenpech
09.05.05 um 21:54:14
 
Am 17.04.2005 habe ich einer Vorführung zur Herstellung von Birkenpech im Museumsdorf Düppel (Berlin) beigewohnt.
Also, vorgeführt wurde (von einem Mitglied der "Teergruppe") folgendes:

Eine wenig mittelalterlich anmutende Konstruktion zur möglichst problemlosen Herstellung von Birkenpech ("Nachbau" der bewährten aber sehr störanfälligen "Doppeltopf"-methode, siehe Bild) www.barnsdale.de/pix/reko/birkenpech_400.jpg bestehend aus einer Metallplatte (in Gestell) mit einem Loch in der Mitte (ca. 10 cm im Durchmesser) da kommt ein Metalltrichter rein (Tülle nach unten), auf die Tülle ist ein leicht seitwärts gebogenes Rohr (ca. 50 cm lang, ca. 1/2" im Durchmesser) gesteckt (evtl. geschweißt/hartgelötet) darunter steht ein Auffanggefäß (hier ein Glas). Der Behälter für die Birkenrinde (Stahltopf aus einem Stück [wichtig, dieser darf weil er der größten Hitze ausgesetzt ist nicht geschweißt oder gelötet sein], Rauminhalt ca. 1 Liter) wird gut gefüllt mit Birkenrinde (nur die weißen Abschnitte und ohne Borke) mit der Öffnung nach unten auf den im Loch steckenden Trichter gestellt - der Übergang zwischen Topf und Trichter wird zugekittet mit einer Mischung aus Lehm und Pferdemist (1:1).
möglichst dicht am Topf anliegend wird nun dünnes Brennholz aufgeschichtet, und entzündet, ist dies ersteinmal gut angebrannt, wird zügig größeres Brennholz nachgelegt.

Das Feuer muss kontinuierlich beschickt werden und liefert nach Ablauf von ca. 1/2 Stunde das gewünschte Produkt. Im vorgeführten Fall entstanden aus ca. 1 Liter Rinde etwa 80 ml Birkenteer.

Der Birkenteer ist eine gelb-braune, dünne Flüssigkeit, die nochmals durch Einkochen verdickt wird - erst dieser eingedickte schwarze Rückstand (hier wurde das weitere Einkochen - dauert lange - nicht mehr vorgeführt) nennt sich dann "Pech" - das wird dann nochmal deutlich weniger Material, wenn all die leichtflüchtigen Stoffe raus sind.
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Gruß, Ingo
 
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Bernhard Roussel d` Alencon
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Re: Herstellung Birkenpech
Antwort #1 - 09.05.05 um 22:29:51
 
Die Konstruktion die ich bisher gesehen habe war komplett im Boden vergraben, funktionierte aber nach dem gleichen Prinzip.
Das Ding auf Deinem Bild finde ich aber einfacher.
Na dann werde ich bei Gelegenheit mal ein paar Birken entkleiden Laut lachend

Wie lang soll man den Birkenteer denn einkochen? Einfach bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist und auf kleiner Flamme?!
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Euer Bernhard Roussel d´Alencon ( Karsten Sommer )
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ingo
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Re: Herstellung Birkenpech
Antwort #2 - 10.05.05 um 08:23:41
 
Hallo Bernhard,

zur Kochzeit wurden keine konkreten Angaben gemacht. Richtig ist das "auf kleiner Flamme" köcheln - damit die Suppe nicht "anbrennt" (das bekommt die Hausfrau doch sonst so schlecht aus dem Topf  Laut lachend )

Birkenrinde ist übrigens prima auch von schon länger herumliegenden Stämme zu entfernen (die Rinde "überlebt" bei toten Birken am längsten) - auf jeden Fall besser als vom lebenden Baum.

Noch einen schönen Tag
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Gruß, Ingo
 
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Bernhard Roussel d` Alencon
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Re: Herstellung Birkenpech
Antwort #3 - 10.05.05 um 08:27:55
 
Da die Birke ein Pionierbaum ist findet man bei uns reichlich gefällte Bäume, werde also keine "lebenden" entkleiden. Zwinkernd

Aber mal was anderes, wo bekomme ich einen Metaltrichter her?
Oder mache ich mir den einfach selber?!
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Euer Bernhard Roussel d´Alencon ( Karsten Sommer )
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ingo
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Re: Herstellung Birkenpech
Antwort #4 - 10.05.05 um 08:38:05
 
Also ich habe letztens in einem "Haushaltswarenladen" (so´n "Tante-Emma-Laden") in Berlin einen Metall-Trichter gesehen. Der hatte zwar einen angelöteten Henkel, aber wenn dieser die Hitze nicht überstehen sollte - ist ja auch nicht schlimm. Ansonsten war dieser aus einem Stück ohne (sichtbare) Naht. Die größte Hitze muss ja der Topf aushalten, nach unten hin wirds da nicht mehr so heiß, da ist ein selbstgebauter Trichter vielleicht auch möglich.  Zwinkernd
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Bernhard Roussel d` Alencon
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Re: Herstellung Birkenpech
Antwort #5 - 10.05.05 um 08:42:11
 
Den Trichter selber bauen, ist kein Problem, und eine Schutzgas-Schweissnaht sollte auch der Hitze wiederstehen. Wenn nicht kann man da ganze immer noch nieten.
Für den Topf oben, habe ich einen wünderschönen Edelstahl-Kochtopf mit Sandwichboden, ich finde den sehr geeignet und hoffe, dass meine Frau das genauso sieht Laut lachend
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Euer Bernhard Roussel d´Alencon ( Karsten Sommer )
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ingo
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Re: Herstellung Birkenpech
Antwort #6 - 10.05.05 um 09:00:20
 
Eine durchgehende Schweißnaht ist sicher die bessere Wahl, da durch das abgeschlossene Topf-Trichter-System (Abdichtung durch Lehm/Pferdemist) entstehende Gase nur nach unten abgeleitet werden können, dort dann als Teer-Destillat niederschlagen. Diese Gase sind leicht brennbar und haben verständlicherweise die Vorliebe nach oben steigen zu wollen, sind also im Trichter (wenn nur genietet - nicht "gasdicht") feine Spalten, so könnten im ungünstigen Fall hier schon Gase austreten und sich am Feuer oben entzünden - an sich nicht weiter gefährlich (es brennt ja ohnehin "alles"  Laut lachend ) - aber diese Gase sollen ja eigentlich unten abgekühlt als Teer ausfallen - würden somit beim Abbrennen als Material für Teer in der Bilanz verloren gehen  Griesgrämig
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Re: Herstellung Birkenpech
Antwort #7 - 18.05.07 um 07:34:53
 
Das ist mal ne interessante Konstruktion...ich kannte bisher auch nur die Doppeltopf - Methode. Aber wie auf dem  Foto zu sehen ist, gast ja noch etwas aus dem Glas aus. Wenn man das Glas nun noch ein wenig in die Erde eingräbt, müsste man  das ganze noch ein wenig kühler bekommen.

Übrigens kann man zur Holzteer/Pech Herstellung auch wunderbar andere harzhaltige Hölzer benutzen. z.B. Nadelholz..Kiefer etc. Heisst zwar dann nicht mehr Birkenteer....funktioniert aber genauso gut Smiley
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- Immer eine Hand am Sax -
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